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#1
Alt 03.01.2009, 22:45

Huhu liebe Foris,

ich habe vor mehreren Monaten selbst ein Haltungsbericht für Farbratten geschrieben, da ich "damals" noch selbst Ratten vermittelt habe und jeder Interessent erstmal diesen Bericht zugesandt bekam- damit auch Anfänger gleich mal einen kleinen Überblick über das ganze bekamen. Ist zwar etwas länger geworden, aber meiner Meinung nach, doch ganz informativ. Und wenn es noch mehr Leute wie mich gibt- die bevor sie sich ein neues Haustier "zulegen", alle möglichen Infos nur so einsaugen- dann wird der Bericht hoffentlich ganz gut ankommen. So, genug der Worte, hier kommt der Bericht:

________________________________________
1. Herkunft
2. Haltung
2.2. Der Käfig/Zimmerhaltung
2.3 der Auslauf
2.4 Integration
3. Gesundheit
3.1 Fütterung
3.2 Krankheiten


Das „Wort“ Ratte ist mittlerweile Jedermann ein Begriff.
Damals noch gefürchtet, gejagt und mit Missachtung gestraft, finden sich die possierlichen Nager mittlerweile in vielen heimischen Wohnzimmern wieder.
Aber wie groß muss eigentlich der Käfig sein? Brauchen sie Auslauf? Macht es Ratten Freude, wenn ich sie mit auf einen Spaziergang nehme? Was fressen sie? Wie lautet der lateinische Name? Das und vieles mehr wird im nachfolgenden Teil erläutert.

1. Herkunft
Die Ratte, welche sich in vielen Käfigen wieder findet, nennt man Farbratte. Farbratten gehören zu den Nagetieren, zur Unterordnung der Mäuseverwandte (Myomorpha), zur Gattung Eigentliche Ratte (Rattus) und zur Art der Wanderratte (Rattus norvegicus). Der lateinische Name für die Farbratte lautet Rattus Norvegicus domesticus.
Die Wanderratte kam vor ca. 200 Jahren nach Europa. Ursprünglich stammt sie aus Asien (China). Dort fand und findet man sie oftmals auf offenen Landschaften, wo sie unterirdisch leben. Aber auch an Gewässern ist sie zu finden, da sie eine hervorragende Schwimmerin ist. Ebenfalls wohnt die Wanderratte als Kulturfolger nah mit dem Menschen zusammen. Kanalisationen, Kellerräume, Schuppen, Müllkippen u.s.w. bieten den Ratten eine optimale Unterkunft.
Wanderratten bekamen ihren Namen durch einen Irrtum seitens der Europäer. So dachten diese damals, die Wanderratte wäre von Asien nach Europa „gewandert“ - hätte also den weiten Weg selbst bestritten. Allerdings hat die Wanderratte sich das viel einfacher gemacht. Sie hat es sich einfach in Schiffen, welche von Asien nach Europa fuhren, bequem gemacht und ist dadurch nicht nur nach Europa, sondern auch nach Amerika gekommen.
Hier angekommen, hat die Wanderratte fast vollkommen unsere damals heimische Hausratte (rattus rattus) vertrieben. Die Hausratte hatte gegen die Wanderratte kaum eine Chance. Wanderratten sind eine Ecke größer (Körperlänge: 21- 28 cm, Schwanzlänge: 17- 23 cm) als Hausratten (Körperlänge: 16-24 cm, Schwanzlänge:18-25 cm) sowie kräftigern und stärker. Außerdem vermehren sie sich rascher.
Bei jedem Lebewesen gibt es Mutationen. So auch bei den Wanderratten. Es gab und gibt immer mal wieder Wanderratten, welche Albinismus aufweis(t)en. Das heißt, sie sind reinweiß und haben rote Augen.
Diese Ratten fingen die Menschen ein und begannen mit ihnen zu züchten. Dadurch entstanden nicht nur immer wieder neue Farb- und Fellzeichnungen, sondern die Wanderratte legte auch ihre angeborene Angst vor Menschen ab. Die Farbratte wie wir sie kennen ist geboren.
Mit der Zeit fanden auch Forscher gefallen an den Nagern. Forscher „missbrauchten“ die von der Natur gegebene Neigung zu Tumoren und nahmen Farbratten zur Krebsforschung. In dieser Zeit ist die Farbratte fast vollkommen als Haustier in Vergessenheit geraten. Erst als eine handvoll Punks diese aus den Laboren „befreiten“, erfreute sich die Ratte immer größerer Beliebtheit. Nun lief plötzlich fast jeder mit einer Farbratten auf der Schulter herum.

2. Haltung
Nun wissen wir also wo die Ratte herstammt. Aber ist zur Haltung von Ratten erforderlich?
Auf jeden Fall sollte man Ratten NIEMALS alleine halten. Sie verkümmern und werden mitunter sogar aggressiv gegenüber dem Menschen.
Ratten brauchen mind. einen Artgenossen, mit dem sie sich unterhalten können (Ratten unterhalten sich im Ultraschallbereich, für uns Menschen nicht hörbar), mit der sie sich zoffen, sich putzen und kuscheln kann - mit der sie einfach Ratte sein darf. Wie viele Ratten man hält (natürlich wie gesagt mind. 2 ) ist jedem selbst überlassen. Allerdings sollte man beachten, dass mehr Ratten auch mehr Platz und mehr Futter brauchen. Ebenfalls steigen die Tierarztkosten. Allerdings ist es sehr interessant, Ratten in Rudeln zu beobachten. So hat jede Ratte ihre „Aufgabe“. Die eine ist zum Aufsicht halten eingeteilt, die andere zum Nest auspolstern und wieder eine andere zum bunkern. Ja! Es gibt in jedem Rudel mind. eine Ratte die bunkert. Das hat den Sinn, dass kranke Ratten durch diese Ratte mitversorgt werden. Die „Bunker-Ratte“ bringt einen Großteil ihrer Nahrung in ein Nest bzw. eine sichere Ecke. Dorthin begeben sich dann kranke Ratten, welche evtl. nicht mehr laufen können o.ä.. So ist das überleben dieser Ratte gesichert. Auch macht der Auslauf mit mehreren Ratten auch umso mehr Spaß. Man wird gleich von jeder Seite „angesprungen“ und neckisch zum Spielen aufgefordert. Im Vergleich dazu ist eine einzelne Ratte doch richtig langweilig! Also tut nicht nur eurer Ratte, sondern auch euch etwas Gutes und haltet mind. 2 Ratten!

2.2 Der Käfig/ Zimmerhaltung
Ob man seine Ratte nun in gekauften Volieren, selbstgebauten Käfigen oder gar im (eigenen) Zimmer hausen lässt ist jedem selbst überlassen.
Die meisten Rattenhalter greifen auf das erste Beispiel zurück.
Aber egal für welches Beispiel man sich entscheidet, diverse Dinge muss jede Behausung erfüllen.
So z.B. die Mindestgröße. Für 2-3 Ratten sollte der Käfig mind. 80cm hoch, 80cm lang und 50cm tief sein. Je mehr Ratten in den Käfig ziehen sollen, desto größer muss er natürlich auch sein.
Vor allem bei jungen Ratten und schlanken Weibchen muss man auf den Gitterabstand achten. Bei Jungratten sollte der Gitterabstand nicht mehr als 1cm betragen. Bei Weibchen sicherheitshalber nicht mehr als 1,5 cm. Ausgewachsene Böcke können auch in Käfigen gehalten werden, wo der Gitterabstand etwas größer ist - 1-3cm stellen dabei kein Problem dar.
Egal welche Größe der Käfig später einmal hat, es sollten mindestens 3 Volletagen und 1-2 Halbetagen eingezogen werden. Bei größeren Käfigen kann man noch die ein oder andere mehr einbauen.
Allerdings NUR Etagen aus Holz benutzen, welches man vorher mit so genannten „Sabberlack“ behandelt. Diesen bekommt man im Baumarkt und ist für Kinderspielzeug geeignet. Plastiketagen können angenagt werden und schwere Verletzungen im Inneren der Ratte auslösen. Ebenfalls Gitteretagen sind nicht geeignet, diese führen zu den so genannten „Bumblefeet“, Fußabszesse welche für die Ratte sehr unangenehm und für den Menschen in der Behandlung sehr teuer und zeitaufwendig sind.
Im Käfig sollten sich mindestens so viele Versteckmöglichkeiten befinden, wie Ratten. Hat man z.B. 3 Ratten, sollten auch 3 Häuschen im Käfig stehen. Neben dem Häuschen sollten sich noch ein Futternapf für das Trockenfutter, ein Futternapf für das Frischfutter, eine Hängematte und eine Tränke im Käfig befinden. Das ist die Grundausstattung, allerdings kann man diese beliebig erweitern. Viele Ratten benutzen beispielsweise eine Ecktoilette. Was Ratten auch ganz toll finden sind Drainage- oder andere Röhren. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt, nur sollte man darauf achten, dass man nichts aus Plastik und auch nichts scharfkantiges in den Käfig tut.
Bei der Zimmerhaltung sollte man mindestens einen mittleren Kratzbaum anbieten, damit die kleinen Nagetiere ihrer Kletterfreude nachgehen können. Futter- und Trinknäpfe sollten erhöht stehen (kleiner Tisch o.ä.) und man sollte genügend Höhlen anbieten - ebenerdig und erhöht. Einige Ecktoiletten sollten sich natürlich ebenfalls im Zimmer befinden.

2.3. Der Auslauf
Es gibt sehr viele Fragen, die sich gerade Rattenneulinge beim Auslauf stellen müssen. In diesem Kapitel werden die wichtigsten Fragen über den Auslauf geklärt.
Zu allererst muss man klar stellen, kein Käfig ersetzt den Auslauf für Ratten.
Egal ob er riesig ist oder nicht, Ratten brauchen Abwechslung, wollen neue tolle Orte erkunden und auch im "Revier des Dropsgebers" mit ihrem Menschen zusammen sein.
Damit der Auslauf aber nicht in einer mittelschweren Katastrophe endet, gibt es ein paar Dinge zu beachten.
Ratten sind neugierige Tiere, die gerne alles bis auf den letzen cm erkunden, der Dropsgeber steht in der Pflicht, dafür Sorge zu tragen, dass der Auslauf für die kleinen Teppichflitzer nicht gefährlich wird.
Es ist wichtig sicher zu stellen, dass
-Alle Türen geschlossen sind und alle im Haushalt lebende Personen über den Auslauf Bescheid wissen, um so sicher zu stellen, dass keine Tür spontan aufgerissen wird. Denn Ratten erkunden vor allem gerne die Wände des Zimmers, wenn ein kleiner Wurm grade damit beschäftigt ist, den kleinen Spalt unter der Tür zu erforschen, während die Tür aufgerissen wird, wird das schwere Folgen haben. Gebrochene und unter die Tür gesogene Beinchen können die Folge sein.
-Alle Fenster müssen geschlossen sein, BITTE auch kein Fenster kippen. Offene und gekippte Fenster sind besonders interessant. Aus offenen Fenstern können Ratten herausfallen, bei gekippten Fenstern setzen Ratten sich gerne oben auf den Rand und schauen heraus. Abrutschen und heraus fallen oder abrutschen und im gekippten Fenster erhängen, können die tödliche Folge sein.
Am besten ist es jedoch den Kleinen gar nicht erst zu ermöglichen, an ein Fenster heran zu kommen, denn auch heraus gefressener Fensterkitt und angeknabberte Dichtungen können für Mensch und Tier unschön enden.
-Aschenbecher leeren und in sichere Höhe stellen, denn gerade Aschenbecher üben eine unglaubliche Anziehungskraft auf Ratten aus. Ratten lecken die Asche ab (sie ist salzig) und versuchen Filter und Tabak anzufressen, was jedoch hoch giftig ist und sehr schnell tödlich endet. Mal ganz davon abgesehen, dass es unverantwortlich ist, im Raum der Tiere zu rauchen. Genauso unschön ist es, seine Kippen überall im Zimmer verteilt wieder zu finden.
- Alkohol, Schokolade, Chips und andere "menschliche Genussmittel" sind für Ratten besondere, jedoch ungesunde "Leckerbissen". Der Besitzer steht in der Verantwortung Sorge zu tragen, dass sie erst gar nicht in Versuchung kommen.
- Topfpflanzen. Ratten lieben Topfpflanzen. Es wird probiert, ob man "so was" fressen kann, was bei giftigen Topfpflanzen schlimme Folgen haben wird.
Zudem wird die Blumenerde 100%ig im ganzen Raum verteilt - Ratten buddeln zu gerne und sollte der Raum mit Teppich und nicht mit Fliesen oder Laminat ausgelegt sein, hinterlässt vor allem feuchte Blumenerde unschöne Flecken für Herrchen und Frauchen ;O)
- Kabel und Co sind bei mir nie angeknabbert worden, was aber nicht selbstverständlich ist.
Ohne große Mühe kann man dieses Problem beheben, indem man für wenig Geld ein Kabelrohr oder eine Kabelschiene/Kabelkanal im Bauhaus kauft und die Kabel somit versteckt. Wenn Ratten an den Kabeln herumknabbern, sind tödliche Stromschläge - im schlimmsten Fall - die Folge.
Mal ganz abgesehen von den eklatant teuren Elektrogeräten, die aus heiterem Himmel nicht mehr funktionieren - im wirklich besten Fall.
-Gardinen, Decken, Läufer scheinen zu den Ratten zu sagen: " Komm her und zerfetz mich, ich bin suuuuuuuper Nistmaterial!"
Was die Ratten freut, ist für den Dropsgeber ärgerlich. Gardinen am Besten hochbinden, Läufer und Decken gegen alte Handtücher ersetzen, die bringen den Ratten genauso viel Spaß, dem Dropsgeber jedoch erspart das großen Ärger.
Kerzen, heiße Gegenstände ect. müssen entfernt werden - dies sollte jedoch eigentlich selbstverständlich sein.
Verbrennungen an heißen Gegenständen und eine lichterloh brennende Ratte, die auch einen Wohnungsbrand auslösen kann - Jedem sollte klar sein, dass diese grausame Vorstellung um jeden Preis zu verhindern ist.
Bücher in Bücherregalen und andere lose Gegenstände können Ratten erschlagen.
Andere Tiere sind immer stress pur. Entweder werden die Ratten zu Beute oder anders herum.
Es ist nicht gesagt, dass etwas passieren muss. Aber alleine das „kann“ sollte jedem verantwortungsbewussten Rattenhalter genügen.
Ratten legen keinen Wert auf Kontakt zu anderen Tieren.
Der Kontakt zu Ihresgleichen ist jedoch unerlässlich. Mindestens 2 Ratten, ein Dropsgeber und die Ratte ist glücklich
Sofa, Sessel und Co eignen sich super um Nistmaterial zu "ernten" und ein Röhrensystem zu bauen.
Teure, wichtige Möbel heraus nehmen.
Ratten sind sehr gelehrig und gewöhnen sich schnell an einen Tagesablauf, der auch den Tieren hilft, sich besser in ihrer Rolle zurecht zu finden. Hier mal ein kleines Beispiel, wie ein optimaler Auslauf für Ratten aussehen könnte:
Wenn der Dropsgeber nach der Arbeit nach Hause kommt, beginnt für die Ratten der Tag.
Wenn alle wichtigen Dinge erledigt sind, widmet er sich seinen Ratten, öffnet den Käfig, damit die Ratten das Zimmer erkunden können.
Während die Ratten rumlaufen, kann er den Käfig reinigen (Toilettenecke, frisches Futter, Wasser ect.).
Danach wird gespielt, gekuschelt oder das gemacht wonach den Ratten gerade der Sinn steht (Katzenspielzeug eignet wunderbar dafür!).
Nach 2 bis 4 Stunden werden sich die Ratten selbst wieder auf den Weg in ihren Käfig begeben oder sich an einem Platz (z.B. auf dem Käfig) sammeln um von Frauchen oder Herrchen nach Hause gebracht zu werden.
Ratten sind saubere Tiere und nehmen gerne ein Katzentoilette für ihr "großes Geschäft" an, bei den Kleineren gibt es häufig Probleme.
Beim Freilauf einfach ein Katzentoilette oder ein ähnliches Gefäß (Tupperware) mit Katzenstreu füllen und an den Stellen aufstellen, die sie vorher als Toilette benutzt haben.
Sollte die Toilette nicht benutzt werden hilft es auch, ein paar schon vorhandene Rattenköddel in die Toilette zu legen.


Allgemein ist zusagen.
Ratten sind Nager! Auslauf von mindestens einer Stunde (je länger desto besser) ist wichtig und kann von keinem Käfig ersetzt werden.
Das wache Auge eines Dropsgebers ist unerlässlich! Viele Dinge können so verhindert werden.
Ratten machen nichts aus bösen Absichten oder um ihren Dropsgeber zu ärgern.
Es liegt in ihrer Natur alles zu erkunden, Neues auszuprobieren und zu nagen - treffen sie die richtigen Vorkehrungen und der Auslauf sollte für Tier und Mensch zu einem Spaß werden.

2.4 Integration
Die meisten Rattenhalter beginnen mit 2 oder 3 Ratten. Aber nach geraumer Zeit, wächst in vielen der Wunsch nach weiteren Ratten um das Rudel aufzufrischen. Da Ratten rudelgebunden sind, ist ein einfaches dazusetzen der neuen Ratten zu den alteingesessenen nicht möglich.
Zuerst sollte ohnehin eine Quarantäne von 2 Wochen eingehalten werden. Erst, wenn keine Krankheiten aufgetreten sind (dazu gehören z.B. auch Milben) kann man mit der Integration beginnen.
Ratten unter 12 Wochen kann man ohne Integration zusammenführen, da diese noch kein Rudelverhalten an den Tag legen. Allerdings müssen dann beide Parteien jünger als 12 Wochen sein, denn bei Ratten gibt es keinen Welpenschutz. Nicht selten werden die jungen Ratten von den Älteren getötet, weil sie einfach zu schwach sind um sich bereits wehren zu können.
Sollten die Ratten älter als 12 Wochen sein, beginnt man mit einem kurzen Zusammentreffen auf unbekanntem Gebiet. Hier bietet sich vor allem die Badewanne an, da die wenigsten Ratten Auslauf in der Badewanne haben. Das erste Zusammentreffen sollte nicht länger als 2 Minuten dauern, danach wieder trennen und auf den nächsten Tag warten. Am nächsten Tag beginnt das gleiche Spiel von vorne, allerdings erhöht man nun auf ca. 5 Minuten. So geht es ca. 2 Wochen weiter, immer wieder wird die Zeit des Zusammentreffens erhöht bis sie am Ende gut 2 Stunden ohne Klopperei friedlich zusammen sind, sich putzen und miteinander kuscheln. Es ist normal, wenn die Ratten während dieser Zeit diverse Kämpfe austragen. Man sollte nicht zu frühzeitig trennen. Oft sehen die Kämpfe schlimmer aus, als sie sind. Wildes Geschrei, Gequietsche und auch Fauchen ist keine Seltenheit. Nur, wenn die Ratten sich blutig gebissen haben, sollte man abbrechen, darauf warten dass die Wunden verheilt sind und dann noch einmal von Anfang an beginnen. Dies ist aber sehr selten, meist gibt es nur kleine Rangeleien. Wenn sie dann die 2 Stunden friedlich zusammen sind, können sie von der Badewanne in den üblichen Auslaufbereich ziehen. Hier sollte ebenfalls die Zeit langsam gesteigert werden, allerdings muss man nicht bei 2 Minuten anfangen. Länger als 10 Minuten sollte man sie aber auch hier anfangs nicht zusammen lassen. Das Zusammentreffen im üblichen Auslauf wird ebenfalls wieder auf ca. 2 Stunden erhöht und dann kommen wir zu der letzten Stufe der Integration. Das Zusammenziehen! Ab nun sollte man täglich die Käfige wechseln. Das heißt, Gruppe 1 zieht für einen Tag in den Käfig der Gruppe 2 und umgekehrt. Das macht man 3-4 Tage. Nebenbei sollten sie weiterführend gemeinsam Auslauf haben. Nach den 3-4 Tagen dürfen sie dann endgültig in einen Käfig ziehen. Auch hier sind kleine Rangeleien vollkommen normal, die Ratten sollten sich allerdings nach wenigen Minuten beruhigt haben. Und schon hat man ein funktionierendes Rudel!


3. Gesundheit
3.1. Fütterung
Bei der Gesundheit einer Ratte spielt die Fütterung keine unbedeutende Rolle. Das Futter schenkt den kleinen Nagern Energie für ihre Schandtaten, füllt die Vitamin- und Fettreserven auf und hilft dabei das Immunsystem aufzubauen.
Damit ein Futter genau diese Dinge erfüllen kann, muss es optimal auf die Bedürfnisse der Ratte abgestimmt sein.
Bei einer gesunden, schlanken aber nicht zu dünnen Ratte sollten Getreide und Sämereien den Großteil der Nahrung ausmachen. Ca. 60% des Futters sollte aus (z.B.) Gerste, Hafer, Weizen, Hirse, Sonnen- und Kürbiskernen bestehen. Einige Nüsse dürfen sich ebenfalls im Futter wieder finden (es dürfen alle Arten von Nüssen verfüttert werden).
Das tierische Eiweiß im Futter sollte die 13%-Grenze nicht überschreiten. Zuviel Eiweiß kann die Tumorbildung ankurbeln. Da Ratten ohnehin sehr tumoranfällig sind, sollte dies peinlichst vermieden werden. Allerdings darf das Eiweiß auch nicht fehlen, denn ohne dieses wird das Fell der Ratte struppig und die Ratte faul, da ihr die nötige Energie fehlt. Als Eiweißhappen eignen sich vor allem Hüttenkäse, Mehlwürmer, rohes oder kurz angebratenes NICHT gewürztes Fleisch (kein Schwein! Das Fleisch kann mit einem bestimmten Herpesvirus infiziert sein, welches uns Menschen nichts ausmacht - und beim kochen sowieso vernichtet wird - aber bei Ratten unweigerlich zum Tod führt), Katzenfutter mit hohem Fleischanteil (mind. 80%), Eier oder Futtertiere wie Babymäuse.
Wie viel jede einzelne Ratte an tierischen Eiweißen verträgt, hängt davon ab wie hoch ihre Dosis an Getreide, Sämereien und Frischfutter ist.
Womit wir auch schon beim dritten und letzten Bestandteil des Rattenfutters angelangt sind. Das Frischfutter. Darunter versteht man Obst und Gemüse.
Gerne gefressen werden beispielsweise Äpfel, Banane (Vorsicht! Dickmacher), Birne, Erdbeeren, Kiwi, Karotten, Gurken, Paprika, Mango und noch vieles mehr. Gefüttert werden darf eigentlich restlos alles außer übermäßig viel Kohl, Zitrusfrüchte und Avocados. Nie Avocados verfüttern! Diese sind giftig! An alles Neue sollte man die Ratten erst langsam gewöhnen und die Dosis dann steigern.
Ebenfalls gut ankommen tun Dinge wie Brennnesseln, Brombeer-, Himbeer- und Erdbeerblätter, Gänseblümchen und Löwenzahn.
Absehen sollte man von den gesamten Leckerlies welche man in Zooläden kaufen kann. Knabberstangen ö. ä, sind vollkommen ungeeignet, da sie mit Zucker, Honig und Ei versetzt sind. Das sind pure Dickmacher und nur herausgeschmissenes Geld.
Bei zu dünnen Ratten eignen sich vor allem Dickmacher wie Babygläschen, Mais und Joghurt. Bei zu kräftigen Tieren sollte man von Nüssen, Kernen und übermäßig viel Obst absehen.

3.2 Krankheiten
In diesem Kapitel werden die geläufigsten Rattenerkrankungen behandelt.
Ganz klar stehen an oberster Stelle die Tumore.
Ratten können alle Arten von Tumoren bekommen. Dazu kommt, dass diese bei Ratten besonders schnell wachsen, da sie einen extrem schnellen Stoffwechsel haben. Einige Rattenhalter sehen von Operationen ab, da die Erfahrung lehrt, dass Tumore nach wenigen Monaten oder gar Wochen wieder da sind.
Die mögliche Behandlung sollte man unbedingt mit dem Tierarzt absprechen. Auch wenn die Ratte zu alt für eine Operation ist, man kann ihr mit schmerzlindernden Medikamenten das Leben noch etwas leichter machen.
Auf dem zweiten Platz befinden sich die üblichen Krankheiten der Atemwege. Vom leichten Schnupfen bis hin zur Lungenentzündung - Ratten sind sehr anfällig für Atemwegserkrankungen. Bereits bei den ersten Anzeichen einer Erkältung sollte man einen Tierarzt aufsuchen, denn ein leichter Schnupfen wächst sich bei Ratten schnell zu einer Lungenentzündung aus.
Wenn die Ratte viel und oft hintereinander niest, sollte man schnellstmöglich einen Kleintiererfahrenen Arzt konsultieren. Wenn man bereits Geräusche aus der Lunge hören kann, ist höchste Alarmbereitschaft gegeben.Lieber man setzt sich 5 Minuten zum Tierarzt, als eine Ratte an einer simplen Lungenentzündung gehen lassen zu müssen.
Ganz klar gehört auch die Viruserkrankung Mykoplasmose in dieses Kapitel. Man nimmt an, dass jede Ratte diese Viruserkrankung in sich trägt, nur bricht sie selten aus. Ist es dennoch passiert, führt diese oftmals unweigerlich zum Tod des Tieres. Der bakterienähnliche Erreger tritt vorallem in der Lunge der Ratte auf.Von dort aus können später weitere Organe befallen werden. So z.B. das Mittelohr und der Genitalbereich.
Neben dem Lungengewebe greift Mykoplasmose auch das Immunsystem an. Dadurch ist es für weitere Erreger möglich, den Rattenorgansismus zu befallen.
Eine allgemeine Impfung ist nicht möglich, da es zu viele unterschiedliche Stämme des Erregers gibt.
Die Behandlung setzt sich aus einigen wenigen Antibiotika zusammen. Als wirksam gelten z.B. Tetrazykline und Erythromycin. Bei multipler Infektion werden dagegen in schneller Folge verschiedene gängige Antibiotika versucht, bis ein wirksames gefunden ist.

Nun kommen wir zu den „kleinen Mitbewohnern“ der Ratte - die Milben und Würmer.
Milben sind eine langwierige, juckende Angelegenheit. Bei dem kleinsten Anzeichen von Milben sollte man einen Tierarzt aufsuchen, vor allem bei jungen oder alten, kranken Tieren. Milben erkennt man am vermehrten Kratzen der Ratten. Grabmilben erkennt man an den so genannten „Blumenkohlohren“. Diese Art der Milben graben - wie der Name es bereits erahnen lässt - kleine Gänge unter der Haut. Die Ohren werden dabei regelrecht zerfressen und wenn die Behandlung zu lange auf sich warten lässt, hängen diese nur noch in Fetzen vom Kopf. Meist bekommt gibt der Tierarzt ein Mittel für die Ratte selbst und ein Mittel für den Käfig. Der Käfig muss dann regelmäßig und sehr, sehr gründlich gereinigt werden, ansonsten bekommt man die Plagegeister nie los.
Würmer haben nur die wenigsten Ratten. Besser gesagt:
- nur die Ratten, welche mit nach draußen genommen werden und diese sich dort einfangen konnten, oder
- diejenigen die mit Tieren welche Würmer haben, in Kontakt kamen.
Würmer erkennt man im Kot des Tieres. Sollte eine Unsicherheit da sein, kann der Kot einfach eingesammelt und dem Tierarzt überreicht werden. Dieser wird ihn dann untersuchen. Wenn die Ratte Würmer hat, wird der Tierarzt alsbald ein Mittel dagegen verschreiben. Würmer bekommt man relativ schnell los.

Nachdem die bereits beschriebenen Krankheiten selten etwas mit der falschen Haltung der Ratten zu tun haben (ausgenommen Atemwegserkrankungen die oftmals- aber nicht immer- auf Zugluft zurückzuführen sind) kommen wir nun zu einer Krankheit, die größtenteils von den Menschen verschuldet wird.
Und zwar der "Bumblefoot". Ein Bumblefoot ist eine Erkrankung der Rattenfüße. Die Pfötchen schwellen dabei stark an und sind gerötet. Ursache: lauter Miniabszesse.
Selten kommt es vor, dass Ratten von Geburt an einfach an sehr weichen Fußsohlen leiden. Dadurch kann es passieren, dass sich durch zu hartes Kleintiereinstreu kleine Wunden an den Pfoten bilden. Diese wachsen dann zu lauter kleinen Abszessen aus.
Viel öfter aber wird Bumblefoot durch das unnatürliche halten der Ratten auf Gitterstäben hervorgerufen. Auch das ständige klettern am Käfiggitter kann die gleiche Ursache aufweisen.
Bumblefoot ist für die Ratte sehr, sehr unangenehm. Der Fuß sollte mit einer Lebertran/Zinksalbe behandelt werden. Die Salbe sollte möglichst mehrmals täglich dünn auf die Rattenpfote aufgetragen werden. Ein kleiner Verband an den Pfötchen kann der Wundheilung sehr entgegenkommen. Wenn die Ratte diesen nicht duldet, sollte sie auf möglichst weichem Untergrund gehalten werden. So z.B. Tücher o.ä.
Die Wundheilung kann man ebenfalls sehr gut mit ungesättigten Fettsäuren untersützen. Diese befinden sich z.B. in Sonnenblumenkerne.
Wichtig ist allgemein bei Abszessen, dass die Wunde von innen nach außen abheilt. Ansonsten können die Erreger unter der Haut weiter ihr Unwesen treiben und man wird einen Abszess nur schwer los.

Valkyrja ist offline   Mit Zitat antworten
#2
Alt 22.01.2009, 17:12

Toller Bericht!
Kompliment!! =)
LiiL_Muffiin ist offline   Mit Zitat antworten
#3
Alt 22.01.2009, 17:35

Danke! =D *textzukurz*
Valkyrja ist offline   Mit Zitat antworten
#4
Alt 22.01.2009, 19:00

immer wieder gerne! ;D
LiiL_Muffiin ist offline   Mit Zitat antworten
#5
Alt 31.01.2009, 14:04

Oh Mann, da wächst in mir mal wieder der Wunsch nach Ratten..
Aber momentan muss ich mich wohl erstmal mit der "kleineren Version" zufrieden geben
Esperanza ist offline   Mit Zitat antworten
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